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Seedling · 24. Februar 2026

Web Development — Entry Level

Es gibt einen Moment im Leben jedes Entwicklers, den man nicht lehren kann. Den Moment, in dem der Code aufhört, Syntax zu sein — und anfängt, Bedeutung zu tragen. In dem ein useEffect nicht mehr eine Funktion ist, sondern eine Entscheidung. In dem man nicht mehr fragt wie — sondern anfängt zu spüren warum. Dieser Moment lässt sich nicht erzwingen. Er wächst.

Es begann mit Stille.

Nicht mit Leere - sondern mit Stille. Mit Seiten, die da waren. Die warteten. Die nichts von dir wollten, außer deinen Blick. HTML war damals noch ein Versprechen an sich selbst: Ich existiere. Ich bin lesbar. Ich bin da. “Hallo Welt”

Die frühen Webseiten trugen etwas Würdevolles in sich-etwas fast Dokumentarisches. Ein Handwerk, das sich an der Druckerpresse orientierte, nicht an der Bühne. Man baute Seiten wie man Bücher setzt: mit Bedacht, mit Struktur, mit dem Wissen, dass das Gedruckte nicht antwortet.

Dann begann die Seite zu atmen.

CSS brachte Form. JavaScript brachte Bewegung. Und irgendwo zwischen einem onclick-Handler und einem GIF, das sich nicht aufhören ließ zu wiederholen, entstand das Gefühl: Das hier könnte mehr sein als eine Broschüre.

Doch es war noch tastend. Noch unsicher. Das Web lernte laufen, bevor es verstand, wohin.

AJAX war die erste echte Offenbarung.

Plötzlich antwortete die Seite - ohne neu zu laden. Ohne den Bruch. Ohne das weiße Aufblitzen, das uns immer wieder daran erinnerte, dass wir noch nicht angekommen waren. Das war kein technischer Fortschritt allein. Das war ein philosophischer Sprung: Die Seite ist nicht mehr ein Dokument. Sie ist ein Gespräch.

Und mit diesem Gedanken begann die eigentliche Reise.

Das Framework-Zeitalter.

React, Vue, Angular - Namen, die heute wie selbstverständlich über die Lippen gehen. Doch was sie wirklich veränderten, war nicht die Syntax. Es war die Denkweise. Komponentenbasiertes Denken. Die Idee, dass Schnittstellen keine Seiten sind, sondern Systeme aus Teilen - austauschbar, erweiterbar, lebendig.

Der Entwickler wurde zum Architekten. Nicht mehr der Maler einer Leinwand - sondern derjenige, der das Gerüst entwirft, auf dem andere Dinge erst möglich werden.

Und heute?

Heute stehen wir vor entry-level-Entwicklern - und die Welt, in die sie eintreten, ist nicht mehr dieselbe, in die die Generation vor ihnen trat.

Sie erben nicht eine Technologie. Sie erben eine Haltung. Die Frage ist nicht mehr: Wie baue ich eine Webseite? Die Frage ist: Wie denke ich in Systemen? Wie modelliere ich Zustand? Wie gestalte ich Erfahrungen, die atmen, reagieren, wachsen?

Next.js ist in diesem Sinne mehr als ein Framework - es ist eine Antwort auf eine Frage, die das Web sich jahrelang gestellt hat: Wo gehört die Logik hin? Beim Client? Beim Server? Irgendwo dazwischen? Die Antwort lautet heute: Es kommt darauf an — und du musst wissen, warum.

Supabase, serverless Functions, Edge Computing - das sind keine Buzzwords. Das sind Zeugnisse einer Branche, die gelernt hat, dass Infrastruktur unsichtbar sein sollte, damit Ideen sichtbar werden können.

Was bleibt?

Das Handwerk bleibt. Die Neugier bleibt. Und - vielleicht am wichtigsten - das Staunen bleibt.

Wer heute mit dem Lernen beginnt, steht nicht am Anfang einer langen, mühsamen Treppe. Er steht an einer Kreuzung von Jahrzehnten menschlicher Kreativität, gebündelt in Tools, die eleganter sind als je zuvor - und in einer Community, die noch immer, trotz allem, aus dem Geist des Teilens heraus gebaut wurde.

Die Stille von damals ist nicht verschwunden. Sie hat sich verwandelt - in den Moment vor dem ersten Tastendruck. In den Atemzug vor dem npm run dev. In die Sekunde, bevor eine Idee zum ersten Mal auf einem Bildschirm erscheint.

Das Web wartet noch immer. Es ist nur viel aufmerksamer geworden.